Vergleich
Alternative zu FastStone und IrfanView
Beide sind gut, beide sind kostenlos, und viele benutzen sie seit fünfzehn Jahren. Die Frage ist nicht, ob sie taugen. Die Frage ist, was passiert, wenn dein Archiv wächst - und ob deine Auswahlarbeit das Programm überlebt.
Was die kostenlosen richtig machen
Fangen wir bei dem an, was stimmt. IrfanView startet in einem Wimpernschlag, wiegt fast nichts und kann über seine Plugins mehr, als die meisten je brauchen. FastStone liest RAW von Haus aus und breit - CR3, NEF, ARW, RW2, DNG - und wird aktiv gepflegt; die Version 8.4 hat sogar JPEG XL und PDF ergänzt. Der eingebaute Vergleich von bis zu vier Bildern nebeneinander ist ein ordentliches Werkzeug.
Auch ein Vorurteil, das man oft liest, stimmt so nicht: Beide können durch Unterordner blättern. IrfanView hat im Thumbnail-Fenster die Option Thumbs aus allen Unterordnern laden, FastStone eine suchbasierte Flachliste. Beides ist für überschaubare Ordnerbäume gemacht - bei einem gewachsenen Archiv merkt man, dass es nicht der Zweck war.
Für den Alltag - ein Ordner, ein paar hundert Bilder, schnell durchsehen - braucht niemand etwas anderes. Dieser Artikel handelt von dem, was danach kommt.
Die erste Grenze: RAW und Tempo
Hier trennen sich die beiden. FastStone kommt mit RAW gut zurecht. IrfanView braucht dafür das Plugin-Paket, und es dekodiert die Datei vollständig, statt die eingebettete JPEG-Vorschau zu nehmen, die jede Kamera mitliefert. Das steht so in der eigenen FAQ. Der Unterschied ist keine Feinheit: Wer ein 45-Megapixel-RAW vollständig entwickelt, macht pro Bild ein Vielfaches der Arbeit dessen, der die fertige Vorschau ausliest, die ohnehin in der Datei steckt.
Verloren geht dabei nichts: Für die Entscheidung, ob ein Bild scharf ist und die Augen offen sind, reicht die eingebettete Vorschau vollkommen. Entwickelt wird später, an den zwanzig Bildern, die übrig bleiben.
Die zweite Grenze: deine Bewertungen gehören dem Programm
Das ist der Punkt, an dem es wehtut, und er fällt oft erst Jahre später auf.
FastStone lässt dich Sterne vergeben. Die Sterne landen allerdings in seiner eigenen Datenbank - einer SQLite-Datei unter %LOCALAPPDATA%\FastStone\FSIV\FSIV.db - und nicht in der Datei, nicht in einer XMP-Datei daneben. Es sagt dir das nicht. Prüfen kannst du es in einer halben Minute: Bewertung vergeben, FastStone schließen, im Explorer Rechtsklick auf das Bild, Eigenschaften, Details. Dort steht nichts. Du sortierst einen Abend lang tausend Bilder durch, und was du dabei entschieden hast, existiert nur, solange dieses Programm auf diesem Rechner mit dieser Datenbank läuft.
Dazu kommt eine Falle, die aktiv Schaden anrichtet: Verschiebst du Dateien mit der eingebauten Funktion, wandern XMP-Sidecar-Dateien nicht mit. Wer in einem anderen Programm bewertet hat und dann in FastStone aufräumt, verliert die Auswahlarbeit still - die Sterne stehen in einer Datei, die im alten Ordner zurückbleibt.
IrfanView löst das Problem nicht, es hat keine Bewertung im Sinne eines Foto-Workflows. XnView MP ist die Ausnahme und macht es richtig: Sterne, Farbmarken und Stichwörter landen dort als XMP, lesbar in Lightroom und Bridge. Wer bei den kostenlosen bleiben und trotzdem saubere Metadaten haben will, ist dort gut aufgehoben - wichtig ist nur, die Neuentwicklung MP zu nehmen und nicht das alte XnView Classic.
Ab Werk zeigt es dir dabei eher das Dateisystem als deine Fotos: XMP-Dateien stehen als eigene Kacheln im Raster, RAW und JPEG derselben Aufnahme als zwei getrennte Einträge und unter jedem Bild ein Block aus Maßen, Dateigröße, zwei Datumsangaben und Aufnahmedaten. Das lässt sich ändern - die Beschriftung unter den Miniaturen stellst du selbst zusammen, und die XMP-Dateien bekommst du über einen eigenen Ausschlussfilter aus dem Raster. Man muss nur wissen, dass man es tun muss, und wo. Wer viele Informationen am Bild mag, ist damit gut bedient; wer beim Sichten Fotos sehen will und nicht Dateien, richtet sich das erst einmal ein.
Für den Hobby-Gebrauch mag das reichen. Sobald deine Auswahl irgendwo ankommen soll - in Lightroom, in Bridge, bei einem Kunden, oder auch nur in fünf Jahren bei dir selbst - ist eine Bewertung, die das Programm nicht verlässt, keine Bewertung.
Die dritte Grenze: der Maßstab
Ein Ordner mit dreihundert Fotos verhält sich anders als ein Archiv mit hunderttausend. Programme, die für den ersten Fall gebaut wurden, werden im zweiten nicht langsamer - sie werden zäh: Das Einlesen dauert, Miniaturbilder erscheinen nach und nach, das Blättern hakt.
Dabei hat sich nicht nur die Anzahl geändert, sondern auch die Größe. Als diese Programme ihren Ruf erwarben, war ein JPEG ein paar hundert Kilobyte groß. Heute liefert eine Mittelklasse-Kamera vierzig Megapixel, und dieselbe Aufgabe ist eine andere geworden.
Das ist kein Vorwurf. Es ist eine andere Aufgabe, und wer sie nicht hatte, hat sie zu Recht nicht gelöst.
Was FlashView an diesen drei Stellen macht
- RAW über die eingebettete Vorschau - so schnell wie JPEG, weil nichts vollständig dekodiert wird, solange du nur sichtest.
- Bewertungen als Standard-XMP - direkt neben der Datei, sofort, ohne dass du etwas anstoßen musst. Lesbar in Lightroom, Bridge und Capture One.
- Auf Größe gebaut - der ganze Baum ohne Katalog, ohne Wartezeit vorweg.
Was das in Zahlen heißt: Wir haben alle vier in denselben Ordner geschickt - JPEG aus derselben Kamera, dieselbe Maschine - und beim Durchblättern gezählt, wie viele Bilder pro Sekunde durchlaufen.
| Programm | Bilder pro Sekunde |
|---|---|
| FastStone Image Viewer | 2 bis 3 |
| IrfanView | 2 bis 3 |
| XnView MP | 2 bis 3 |
| FlashView | rund 30 |
Dass alle drei bei denselben zwei bis drei landen, ist kein Zufall und kein Vorwurf an ein einzelnes Programm: Es ist die Größenordnung, in der Werkzeuge arbeiten, die für Ordner gebaut wurden. Dreißig Bilder in der Sekunde sind so schnell, wie sich die Pfeiltaste gedrückt halten lässt. Nachstellen kannst du das jederzeit selbst: derselbe Ordner, derselbe Rechner.
Dazu Dinge, die in dieser Klasse sonst fehlen: Sterne, Farbmarken und Pick/Reject mit einem Tastendruck, Filtern über den ganzen Bestand nach EXIF und Bewertung, Import von der Karte mit eigenen Vorlagen für Ordner- und Dateinamen - und eine non-destruktive Bearbeitung für den schnellen Fix, ohne das Programm zu wechseln.
Und dann kommt der kleine Eingriff
Beim Durchsehen fällt fast immer etwas an. Der Horizont steht schief. Auf dem Bild ist ein Kennzeichen, das weg muss, oder ein Gesicht, das unkenntlich werden soll. Ein engerer Ausschnitt wäre besser. Über die ganze Serie soll derselbe Look liegen.
Bearbeiten können die drei durchaus - zuschneiden, drehen, Größe ändern, rote Augen. Nur schreiben sie das Ergebnis in die Datei. Wer sich in einem Jahr anders entscheidet, hat das Original nicht mehr. Und für das, was beim Aussortieren tatsächlich anfällt - schwärzen, verpixeln, geraderücken, einen Look übertragen - sind sie nicht gebaut.
FlashView macht diese Eingriffe non-destruktiv: Das Original bleibt liegen, jede Änderung ist zurückzunehmen. Dazu ein Import von der Speicherkarte, der Zielordner und Dateinamen aus deinen eigenen Vorlagen zusammensetzt - das haben die drei nicht. Stapel-Umwandlung fürs Web beherrschen sie dagegen gut.
Wo die kostenlosen vorn bleiben
- Der Preis. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Dazu gleich mehr.
- Format-Breite. XnView deckt über 700 Formate ab, IrfanView über Plugins fast alles, was je existiert hat. Wenn du regelmäßig exotische Dateien öffnest, bleib dabei.
- XnView MP bei den Metadaten. Es schreibt sauberes XMP und beherrscht sogar hierarchische Stichwörter - Letzteres kann FlashView heute nicht. Wer sein Archiv über ein Stichwort-Vokabular erschließt, ist dort besser bedient.
- Stapel-Umwandlung und Werkzeuge. IrfanViews Batch-Funktionen und FastStones Dia-Show mit 150 Übergängen sind gewachsen und gut.
- IrfanView als Systembetrachter für alles. Winziger Fußabdruck, öffnet wirklich jede Datei. Als schneller Doppelklick-Betrachter neben allem anderen behält es seine Berechtigung.
Was 39 Euro sind
FlashView kostet einmalig 39 Euro. Kein Abo, keine Folgekosten, keine Registrierung.
Das ist einmal essen gehen mit einem Glas Rotwein. Gemessen an einem Abend, den du mit dem Durchsehen von zweitausend Bildern verbringst - und an der Auswahlarbeit, die dabei nicht in einer fremden Datenbank verschwindet - ist das keine Anschaffung, über die man lange nachdenkt.
| Kriterium | FastStone / IrfanView | FlashView | Warum so gewichtet |
|---|---|---|---|
| Preis | kostenlos | 39 € einmalig | hier gewinnen sie klar |
| Format-Breite | sehr groß, Plugins | die gängigen RAW, JPEG, HEIC, PSD | Exoten sind ihre Stärke |
| Durch Unterordner blättern | ja, für überschaubare Ordnerbäume | ja, ohne Einlesen vorweg | beide können es, gebaut sind sie verschieden |
| RAW beim Sichten | FastStone gut, IrfanView langsam | eingebettete Vorschau | IrfanView dekodiert voll (eigene FAQ) |
| Bewertungen in der Datei | eigene Datenbank, nicht im XMP | Standard-XMP, sofort | entscheidet, ob die Arbeit überlebt |
| XMP beim Verschieben | Sidecar bleibt liegen | bleibt beim Bild | verliert stillschweigend Auswahlarbeit |
| Sehr große Archive | zäh, für kleinere Ordner gebaut | auf 100.000+ ausgelegt | andere Aufgabe, nicht schlechtere Software |
| Non-destruktiv bearbeiten | nein, Bearbeitung schreibt ins Bild | Original bleibt unangetastet | kein Programmwechsel für den schnellen Fix |
Für wen sich der Wechsel lohnt
Bleib beim Kostenlosen, wenn du überschaubare Ordner durchsiehst, kein RAW verarbeitest, nicht systematisch aussortierst - oder wenn du exotische Formate brauchst, die ohnehin nur IrfanView öffnet.
Der Wechsel lohnt, wenn dein Archiv über einzelne Ordner hinausgewachsen ist, du RAW fotografierst und wenn deine Bewertungen irgendwann irgendwo ankommen sollen statt in einer Datenbank zu bleiben, die niemand sonst lesen kann.
Falls du unsicher bist: Beide Wege schließen sich nicht aus. IrfanView als winziger Systembetrachter für jede beliebige Datei, FlashView für das Archiv und die Auswahl - das ist eine vernünftige Aufteilung.
Selbst ausprobieren
FlashView läuft 60 Tage vollständig und kostenlos, ohne Registrierung. Der ehrlichste Test ist der eigene Bestand. Zum Download - danach kostet die Lizenz einmalig 39 Euro.